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Sonntag, 26. Juni 2016

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aus dem Druckkammerzentrum Traunstein

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04.09.2012 00:00 Alter: 4 Jahre
Kategorie: Druckkammerzentrum

HBO in den US-amerikanischen HNO-Leitlinien als adjuvante Therapie-Option empfohlen / In Deutschland herrscht Zweiklassenmedizin


Hörsturz-Behandlung

Foto: VDD/Druckkammerzentrum Freiburg

Hörsturz Behandlung:

Während die Hyperbare Sauerstofftherapie, HBO, in der Hörsturz-Behandlung  in Deutschland weiter um Anerkennung ringt, hat die Amerikanische Akademie der Otolaryngologie, Kopf- und Hals-Chirurgie  (AAO-HNSF) in ihren im März publizierten Leitlinien die HBO als Behandlungsoption nach  der Therapie mit Corticosteroiden empfohlen. Schon im Oktober 2011 hatte die „Undersea and Hyperbaric Medical Society“ (UHMS) den akuten sensorineuralen Hörverlust in die Liste der Behandlungsindikationen aufgenommen, bei denen die HBO in den Therapiedruckkammern weltweit erfolgreich eingesetzt wird. Die evidenzbasierten Leitlinien sprechen sich für die HBO als adjuvante Behandlungsoption innerhalb der ersten drei Monate nach Hörsturz-Diagnose aus, wenn Corticosteroide als Initialtherapie nicht den gewünschten Heilerfolg bringen. Bei den erstmals für die Hörsturz-Behandlung  in den USA entwickelten Empfehlungen wurde zudem festgestellt, dass jüngere Patienten besser auf die HBO reagierten, als über 50jährige und die HBO am effektivsten bei mittleren bis schweren Hörstürzen ist.

HBO bleibt in Deutschland Privat- und über Beihilfe Versicherten vorbehalten

„Diese Einschätzungen entsprechen den Therapiekonzepten für die Hörsturz-Behandlung mit HBO, wie sie in den hyperbarmedizinischen Zentren des VDD angewandt werden“, so Dr. med. Christian Heiden, Vorsitzender des Verbands Deutscher Druckkammerzentren VDD e.V. und HNO-Facharzt. In Deutschland bleibt die HBO als die mithin am besten erforschte Hörsturz-Therapie allerdings Privat- und über Beihilfe Versicherten vorbehalten. So gibt es nach wie vor für diese Indikation zurzeit keinerlei Behandlung, die von den gesetzlichen Kassen anerkannt wäre und bezahlt wird. Das gilt auch für die sogenannten herkömmlichen Therapien wie Cortison, durchblutungsfördernde Medikamente sowie Infusionskombinationen. Betroffene Patienten, die gesetzlich krankenversichert sind, müssen sich also entweder mit ihrer Hörstörung abfinden oder auf IGeL Leistungen zurückgreifen. „Dabei ist ein Hörsturz ein medizinischer Eilfall, der enorme psychische und berufliche Belastungen mit sich bringen kann, ganz zu schweigen von dem erhöhten Unfallrisiko durch den zum Teil gravierenden, aber natürlich unsichtbaren Hörverlust“, betont Heiden. „Nicht oder nicht vollständig therapierte Hörsturze führen zu Hörhilfen, die das Gesundheitswesen dauerhaft belasten.“ 

Gesetzlich versicherte Patienten müssen nun selbst auf Erstattung ambulanter HBO-Behandlung klagen

Am 21.03.2012 hatte das Bundessozialgericht in einer Revisionsklage von fünf Druckkammerzentren die Aufnahme der HBO für die Indikation Hörsturz-Tinnitus-Knalltrauma in den Indikationskatalog der gesetzlichen Krankenkassen abgelehnt. Mit der Entscheidung des BSG wird es nun auf absehbare Zeit keine Möglichkeit geben, einen allgemeinen Anspruch auf ambulante HBO-Therapie für gesetzlich versicherte Patienten auf dem Klageweg zu erstreiten. Nach Ansicht des Gerichts müssen Patienten ihre Ansprüche jeweils selbst gerichtlich durchsetzen.

Nur die HBO verfügt unter den Hörsturz-Therapien über positive randomisierte Studien der Evidenzklasse 1b

Für die herkömmlichen Therapien gibt es eine große Zahl von randomisierten Studien der Evidenzklasse 1b, die die Wirksamkeit dieser Therapien nicht nachweisen konnten. Deshalb die Weigerung der Kassen, Kosten zu übernehmen. Zudem werden Medikamente durchweg als "off label use" eingesetzt; sie sind offiziell für diese Anwendung nicht zugelassen. Für die hyperbare Sauerstofftherapie beim Hörsturz gibt es dagegen randomisierte Studien der Evidenzklasse 1b , die den positiven Effekt der HBO nachgewiesen haben. Aus diesem Grund ist die HBO für diese Indikation weltweit von den nationalen Gesundheitsbehörden akzeptiert (z. B. USA, Japan, China, alle europäischen Länder).

Auch das 2010 veröffentlichte „European Manual of Medicine Otorhinolaryngology, Head and Neck Surgery“ der UEMS (Union Européenne de Médecins Spécialistes) dokumentiert die Wirksamkeit der hyperbaren Sauerstofftherapie bei Hörstörungen.

Über die HBO:

Die Hyperbare Sauerstofftherapie hat ihre Ursprünge in der Tauchmedizin. So ist sie bis heute bei Tauchunfällen mit Dekompressionserkrankung (DCS), aber auch bei schweren Rauchgasvergiftungen und CO-Intoxikation internationaler Standard. Auch für den stationären Einsatz der HBO beim diabetischen Fußsyndrom sind die Bewertungen des für die Beurteilung neuer Heilmethoden zuständigen sogenannten „Gemeinsamen Bundesausschusses - GBA“ positiv.

Die Überdruckmedizin ist eine Therapieoption für zahlreiche Indikationen. Sie fördert die Regeneration im menschlichen Körper. Sauerstoff, unter Überdruck in der Therapie-Druckkammer eingeatmet, löst sich um ein Mehrfaches. Der hohe Sauerstoff-Partialdruck wirkt positiv auf das Gewebe und auf die Kapillaren und führt so zur Regeneration von Sinnes- oder Knochenzellen und Gewebe. So kann die HBO-Therapie auch dann noch mit Erfolg eingesetzt werden, wenn Standard-Behandlungen unbefriedigend verlaufen sind. Bevorzugte Einsatzgebiete sind Hörsturz, akuter einseitiger Tinnitus, Knalltrauma bzw. Schalltrauma, nicht heilende Wunden, Knochenmarködemsyndrom an Knie, Schulter, Hüfte und Fußwurzel, späte Bestrahlungsfolgen bzw. Bestrahlungsschaden nach Krebsbestrahlung an Kopf, Hals, Blase oder Darm, Fazialisparese, Interstitielle Zystitis, Retinitis pigmentosa. Die HBO ist eine sanfte und zudem nebenwirkungsarme Therapie.