Hörsturz

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Die Annahme, auch des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), es gäbe keinerlei evidenzbasierte Behandlung für akute Hörstürze beruht darauf, dass die Therapieergebnisse mit medikamentöser Behandlung mit einer Spontanheilungsquote verglichen werden (Weinaug 1984). Dabei wird zudem dessen Besserungsrate von >80% mit der Heilungsrate von >60% vertauscht. Wenn die wenigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen bezüglich der Spontanheilung von Hörstürzen zusammengefasst werden (Heiden et. al. 2000) kommt man auf eine wesentlich geringere Spontanheilungsquote (40% statt 89%). Damit sind auch die randomisierten kontrollierten Studien zur Effektivitätsbewertung von medikamentösen Behandlungen in ganz anderem Licht zu sehen. In Übereinstimmung mit dem gebräuchlichen ärztlichen Vorgehen empfiehlt auch das Druckkammerzentrum im Klinikum Traunstein im akuten Fall zunächst eine medikamentöse Behandlung, vorwiegend in Kombination mit Cortison.

Für den Fall unzureichender Behandlungsergebnisse steht als evidenzbasierte Reservetherapie die hyperbare Sauerstoffbehandlung zur Verfügung. Für diese Anwendung finden sich in der wissenschaftlichen Literatur randomisierte, kontrollierte, doppelt verblindete Studien, welche die Effektivität des hyperbaren Sauerstoff in einem hohen Prozentsatz der behandelten Patienten nachweisen. Im Ergebnis wird diese Therapie weltweit angewendet und auch von den jeweiligen Krankenversicherungen getragen. Trotz der Akzeptanz - auch europaweit - werden in Deutschland immer wieder Bedenken vorgetragen, dass diese evidenzbasierten Studien zu wenig „Power“ hätten, um eine allgemeine Zulassung für gesetzlich Versicherte Patienten zu begründen. Private Krankenversicherungen übernehmen die Behandlungskosten für die HBO in der Regel.

Nach den physikalischen Gasgesetzen, hier insbesondere dem Gesetz nach Henry, lässt sich unter Überdruck auch das Innenohr gut oxygenieren – mindestens auf das 10fache des Ausgangswertes. Es ist seit langem bekannt (Beck 1984) dass alle innenohrschädigende Mechanismen über Ödem bis zum Verschluss der funktionellen Endgefäße zu einem Sauerstoffmangel führen. Bei Erhalt einer Restoxygenierung kann der Funktionsstoffwechsel der Hörzellen ausfallen, auch wenn der Erhaltungsstoffwechsel noch suffizient ist. Die Oxygenierung der Zellen im cortischen Organ versetzt diese in die Lage, sich zu erholen und ihre Funktion wieder aufzunehmen. In der Literatur wird in 50% der Fälle von einer Besserung der Hörleistung von 25dB oder mehr berichtet.

Der den Hörsturz häufig begleitende Tinnitus wird von den Patienten meist als wesentlich lästiger empfunden als der eigentliche Hörverlust. Hier beobachten wir in etwa 70% der Fälle eine Linderung der Tinnitusbeschwerden und in ca. 30% auch eine Beseitigung. Leider bleiben auch hier ungefähr 30% der Patienten ohne ausreichende Reaktion.

In der Literatur mehren sich die Veröffentlichungen, die eine bessere Reaktion bei gleichzeitiger Verabreichung von Cortison mit hyperbarem Sauerstoff angeben, so dass wir hier häufig mit oralem Cortison kombinieren und auf Wunsch auch Cortison intratympanal applizieren.

Der ohne Hörminderung auftretende Tinnitus stellt nach geltender Auffassung nur dann eine Indikation für die Anwendung des hyperbaren Sauerstoffs dar, wenn hier ein Corti-Schaden nachgewiesen wurde (z.B. geminderte otoakustische Emissionen). Für die überaus zahlreichen Tinnituspatienten mit chronischem Tinnitus, häufig auch beidseitig, empfehlen wir die hyperbare Sauerstofftherapie nicht.