CO-Intoxikation

Kohlenmonoxid (CO) ist ein geruch- und geschmackloses, nicht reizendes Gas, das nur mit technischen Hilfsmitteln erkannt werden kann. Bei entsprechender Exposition führt es zu akuten Vergiftungszuständen und letztlich auch zu Dauerschäden.

Kohlenmonoxid entsteht bei unvollständiger Verbrennung kohlenstoffhaltiger Substanzen. Es tritt vor allem bei mit Holz brennenden Grillgeräten in geschlossenen Räumen und sogar beim Shisha rauchen auf. Die Aufnahme im Körper hängt von der Konzentration in der Atemluft, von der Einwirkzeit und der Atemfrequenz ab. CO wirkt als kompetitiver Sauerstoffantagonist bei dessen Bindung an das Hämoglobin. CO wird mit 2-300-facher Affinität am Hämoglobin gebunden und blockiert damit den Sauerstofftransport im Körper.

Die akuten Erscheinungen sind vorwiegend auf diese CO-Hb-Komplexe zurückzuführen.

Wichtiger für das Gesamtergebnis der Intoxikation ist aber die Bindung von Kohlenmonoxid an alle Zellstrukturen (Myoglobinbindung 30-40x höher, hier insbesondere auch an den Herzmuskel). Intrazelluläre Enzymsysteme (insbesondere der Atemkette) führen zu einer Verstärkung zunächst der akuten Erscheinungen und sind Anlass für Spätkomplikationen. Insbesondere gehören dazu die neurologischen Spätkomplikationen die auch mit längerer Verzögerung erst beobachtet werden. 

Die Bindung von Kohlenmonoxid an die sonstigen Strukturen kann nicht mit der Kontrolle des CO-Hb überprüft werden. Diese Messung ist damit nicht aussagekräftig für die Prognose und nicht verlässlich für die Indikationsstellung zu Behandlungsmaßnahmen.

Mit einem Studienevidenzgrad von 1b wird die Indikation zur Anwendung des hyperbaren Sauerstoffs bei CO-Intoxikationen vor allem für die Vermeidung von neurologischen Spätkomplikationen eingesetzt.

Die Indikation wird gestellt durch Expositionsnachweis und klinische Erscheinungen. Eine Ausnahmestellung haben exponierte Schwangere, da das fötale Hämoglobin eine noch stärkere Bindung an das CO hat und eine intrauterine Fruchtschädigung unbedingt vermieden werden muss.

Therapie

Die Behandlung der CO-Vergiftung folgt allgemeinen toxikologischen Leitsätzen:

  • sofortige Unterbrechung der Giftzufuhr
  • umgehende und schnelle Entgiftung

Die Entgiftung hat das Ziel der Umkehrung des Diffusionsgefälles. Inhalation von 100 % O2 normobar beschleunigt die COHb Dissoziation und erhöht die Gewebeoxygenation.

100 % O2-Zufuhr mit gut sitzender Maske (Ziel: FiO2 = 1,0) wird als Methode der Wahl am Unfallort und während des Transportes angesehen. Abhängig vom Maskensitz und Wirkungsvollem O2-Zufluss wird die Halbwertzeit des COHb auf durchschnittlich 60 Minuten reduziert. Hyperbare Sauerstofftherapie (100 % O2 bei 3 bar) reduziert die Halbwertszeit des COHb auf durchschnittlich 23 Minuten.

In verschiedenen Ländern (u. a. Frankreich, Belgien, USA, Italien) gilt vor allem bei der schweren Vergiftung (Bewusstlosigkeit, frühzeitige neurologische Ausfälle) die HBO als Standardtherapie.