Migräne
Eine Information für Betroffene
Verfasser:
Dr. med. Jens-Peter Weber,
Dr. med. Hellmuth Sümmerer
Was ist Migräne?
Migräne ist eine Erkrankung, bei der es zu anfallsartigen Kopfschmerzattacken kommt, die meistens von Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Der Schmerz ist pulsierend, pochend und meistens sehr stark. Die Anfälle können wenige Stunden bis zu drei Tagen anhalten. Häufig beginnen die Schmerzen im Nacken und breiten sich dann über den Hinterkopf und die Schläfenregion bis zum Gesicht aus. Die Schmerzen sind halbseitig lokalisiert und können während des Anfalls die Seite wechseln oder sich auf den gesamten Kopf ausbreiten. Die Migräne sollte gegenüber dem Spannungskopfschmerz (rechte Seite) abgegrenzt werden.
Wie häufig ist die Migräne?
Unter Migräne leiden Millionen Deutsche. In großen Untersuchungen hat man
festgestellt, dass etwa 8% aller Männer und 14% aller Frauen unter Migräne
leiden. Sogar bis zu 5% der Kinder sind betroffen.
Am häufigsten tritt die Migräne im Alter zwischen 35 und 45 Jahren auf. Bei
Frauen sind die Migräneattacken meist länger und intensiver.
Wie entsteht der Migränekopfschmerz?
Eine exakte Erklärung für die Schmerzentstehung gibt es bisher nicht. Während einer Migräneattacke ist in einer bestimmten Gehirnregion nach einer vorübergehenden Minderdurchblutung plötzlich eine verstärkte Durchblutung nachweisbar, die als sog. „Migränegenerator“ verstanden wird. Als Folge dieser Mehrdurchblutung kommt es zur Freisetzung entzündungsanregender und schmerzauslösender Substanzen, die diese Schmerzentwicklung bewirken (Substanz P, Neurokinin A, VIP). Bei einer Sonderform der Migräne, der so genannten familiären hemiplegischen Migräne, wurden auch genetische Veränderungen gefunden.
Gibt es Auslöser für einen Migräneanfall?
Von 90% der Betroffenen werden Triggerfaktoren (Auslöser) einer Migräneattacke angegeben, auch wenn diese wissenschaftlich häufig nicht nachvollziehbar sind: Hormonschwankungen bei Frauen, Änderungen des Schlaf-/Wachrhythmus, Aufenthalt in Kälte, Stress, lange Flüge, aber auch Entlastungsreaktionen werden genannt. Selbst Nahrungs- bzw. Genussmittel wie Käse, Alkohol oder Schokolade können zu einer Migräneattacke führen.
Voraussetzung: eindeutige Diagnosestellung
Allein durch die Anamnese (Befragung) und eine internistische und/oder
neurologische Untersuchung kann die Diagnose „Migräne“ gestellt werden. Die
Diagnose wird durch ein Kopfschmerztagebuch erleichtert.
Mit weiterführenden Untersuchungen wie Elektroenzephalogramm (EEG),
Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) werden
gegebenenfalls andere Ursachen des Kopfschmerzes ausgeschlossen.
Migräne – was tun?
Wie wird die Migräne behandelt?
Zur Behandlung des akuten Anfalls werden verschiedene Medikamente, wie z.B. Acetylsalicylsäure, Naproxen oder selektive Serotonin-Rezeptor-Agonisten (Triptane), eingesetzt. Häufig (bei ca. 40%) ist dabei eine wiederholte Einnahme nötig um den Migräneschmerz letztlich deutlich zu vermindern. Bei sehr häufigen Anfällen (mehr als dreimal pro Monat) oder sehr langen Attacken (länger als 48 Stunden) wird eine medikamentöse Prophylaxe empfohlen, mit dem Ziel, die Anfallshäufigkeit, -dauer und -intensität zu verringern.
Welche Probleme gibt es bei der medikamentösen Behandlung?
Je nach Wirkmechanismus können die eingesetzten Substanzen Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt, Atmungsapparat oder Herz-Kreislauf-System auslösen, insbesondere bei häufiger oder gar regelmäßiger Einnahme. Bei den derzeit als Standardmedikament eingesetzten selektiven Serotonin-Rezeptor-Agonisten (Triptane) sind die Gegenanzeigen für deren Einsatz unter anderem: erhöhter Blutdruck, Herzkranzgefäßenge, arterielle Verschlusskrankheit der Beine, des Darmes oder der Augen.
Sauerstoff als zusätzliche Chance?
Schon das Einatmen von normobarem Sauerstoff (ohne Überdruck) mit Hilfe einer Maske kann zu einer Linderung der Kopfschmerzen beim Migräneanfall oder bei Clusterkopfschmerzen führen. Die positive Wirkung der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO umseitig) im akuten Fall wurde in kontrollierten Studien belegt.
Optimale Therapie wünschenswert
Sobald die Diagnose gesichert ist, geht es darum, die jeweils optimale Therapie zu finden und einzusetzen. Alle Therapieformen bringen bestimmte Probleme mit sich. Die klassische medikamentöse Therapie hat Nebenwirkungen und muss nicht immer das gewünschte Ziel erreichen. Wichtig ist auch die Kombination der Therapie mit eigenverantwortlichem Handeln.
Psychotherapeutische Beratung
Je nach Situation helfen psychotherapeutische Beratungen, Verhaltenstherapie oder Hypnose.


