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1995
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CO-Intoxikation
Rauchgasvergiftung


Verfasser: Dr. med. Hellmuth Sümmerer

Kohlenmonoxid ist ein farb-, geschmack- und geruchloses Gas. Es verursacht keine Schmerzen; Rauchgasvergiftungen werden von Betroffenen deshalb sehr oft nicht bemerkt.

 

Wirkung

Kohlenmonoxid wirkt an verschiedenen Angriffspunkten toxisch:

  • als kompetitiver Sauerstoffantagonist mit einer 200 bis 300fach größereren Affinität zum Hämoglobin
  • durch Bindung an Myoglobin mit um 30 bis 40fach höheren Affinität
  • durch Blockierung intrazellurärer Enzymsysteme
    (z. B. Cytochrom 3-Oxydase).

Akute Symptome

Durch die verminderte Sauerstoff-Transportkapazität, die verringerte Sauerstoff-Abgabe im Gewebe sowie durch die Blockierung des intrazellulären Sauerstoff-Transports entstehen hypoxische Schäden an Herz und Gehirn:

  • Herz: Herzinsuffizienz, Lungenödem, Arrhythmien
  • Gehirn: unterschiedlichste Schweregrade von Kopfschmerz, Verwirrtheit, Koma (Chamäleon der Notfallmedizini)

Spätschäden

Immer wieder täuscht eine im Verlauf der ersten Woche auftretende Besserung über noch ablaufende cerebrale Prozesse hinweg. So können noch nach Wochen und Monaten erhebliche Spätschaden, unter Umständen sogar mit Todesfolge, eintreten.
Spätfolgen nach CO-Vergiftungen sind z.B.:

  • neurologische Spätkomplikationen (Lähmungen, Parkinsonismus, Verhaltensveränderungen, Gedächtnisstörungen)
  • psychovegetative Störungen (Kopfschmerz, Schwindel).

Diese Spätfolgen treten nicht nur nach schweren Vergiftungen auf. Sie werden in französischen und amerikanischen Publikationen auch nach so genannten leichten Intoxikationen mit einem CO-Hb-Wert um 10% beobachtet.

Hieraus müssen Konsequenzen gezogen werden in Bezug auf Art und Dauer einer effizienten Therapie.

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Therapie

So differenziert die diagnostischen Verfahren und die Abschätzung der prognostischen Möglichkeiten sind, so eindeutig ist das therapeutische Vorgehen:

  • Sicherstellen der Vitalfunktionen
  • hohes Sauerstoffangebot
  • Eliminierung des CO
  • Verbesserung der Perfusion.

Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) ist die bestmögliche Therapie und bewirkt eine raschere Entgiftung und verringert Spätkomplikationen. Ihre Wirksamkeit ist in den physikalischen Gasgesetzen begründet:

  • unter steigendem Umgebungsdruck geht vermehrt Sauerstoff im Plasma in Lösung (Henry’sches Gesetz). Die Sauerstoff-Konzentration bei 300 kPa beträgt dabei 6,6 ml pro dl Plasma. Diese Menge genügt für die Sauerstoffversorgung der Organe.
  • durch den 20fach höheren Sauerstoffpartialdruck unter 300 kPa Umgebungsdruck wird   nach dem Gesetz der Massenwirkung nicht nur das CO schneller aus seiner Bindung an das Hämoglobin (Hb), sondern auch aus seiner Bindung an das Myoglobin verdrängt
  • die Lipid-Peroxydation in den Zellmembranen kann nur durch die HBO-Therapie gehemmt werden (alleinige Sauerstoff-Atmung unter Normaldruck erreicht diesen niemals).
    Die HBO-Therapie kann bei den akuten Symptomen lebensrettend sein.

Senkung der Spätschäden durch HBO

Ohne HBO-Behandlung entstehen neurologische Spätkomplikationen bei 15 bis 40% der Patienten. Unter HBO kann diese Rate auf 1,6% reduziert werden (Literaturangaben).
Reperfusionsschäden können nur unter HBO verhindert werden.

Wann ist bei einer Rauchgas-/ CO-Intoxikation eine Druckkammerbehandlung angezeigt?

Indikation:

Die Indikation der hyperbaren Sauerstoffbehandlung (HBO) stellt der Arzt anhand klinischer Parameter. Der CO-Hb-Gehalt allein stellt kein verlässliches Kriterium für Schweregrad und Prognose dar!

Behandlungsziel:

Lebensrettung und/oder Vermeidung von Spätschäden.
Eine frühzeitige und zielgerichtete Therapie ist zwingend zur positiven Beeinflussung neurologischer und anderer Spätschäden.

Zielgruppe

Der hyperbaren Sauerstoffbehandlung sollten folgende Personen zugeführt werden, die als Bewohner, Rettungskräfte, Suicid-Patienten usw. eine Rauchgas- bzw. CO-Vergiftung erlitten haben:

  • bewußtlose/komatöse Patienten
  • vorübergehend bzw. kurzzeitig bewußtlose Patienten mit und ohne weitere Symptome
  • neurologisch oder psychiatrisch auffällige Patienten
  • Patienten mit geringer Toleranz gegen CO, z.B.
    schwangere Patientinnen, Säuglinge und Kleinkinder, Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (je nach klinischer Symptomatik bzw. CO-Hb)

Behandlung sollte innerhalb von vier Stunden nach dem Unfall beginnen!

Die Behandlung mit HBO sollte dringend und ohne Zeitverzug erfolgen, die Prognose ist nach Ablauf von vier Stunden deutlich schlechter.

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HBO Druckammerzentrum Traunstein
Cuno-Niggl-Straße 3 (im Klinikum Traunstein) 83278 Traunstein
Tel.: 08 61 - 1 59 67 • Fax: 08 61 - 1 58 89

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