Das kranke Knie
Aseptische Knochennekrosen
Morbus Ahlbäck
Verfasser:
Dr. med. Jens-Peter Weber,
Dr. med. Anke Fabian
Aseptische Knochennekrosen
Hüftkopfnekrose und Morbus Ahlbäck
Aseptische Knochennekrosen oder Osteochondrosen sind – meist spontan auftretende
– Knochen-bzw. Knorpelknochenzerstörungen, oft am Hüftkopf des
Oberschenkelknochens, am Kniegelenk oder am Schienbeinkopf (Morbus Ahlbäck).
Pathophysiologie (Entstehungsursache)
Nach dem derzeitigen Wissensstand handelt es sich um ein multifaktorielles
Geschehen, bei dem Störungen der lokalen Durchblutung und auch genetische
Faktoren eine Rolle spielen.
Risikofaktoren sind z.B.: Unfall, Störungen der Blutgerinnung, Übergewicht,
Schwangerschaft, Cortisonmedikation, Langzeitschäden bei Überdruckarbeitern oder
Tauchern, neurologische Erkrankungen, Zuckerkrankheit oder auch eine
Alkoholkrankheit.
Symptome und Diagnostik
Anamnese und klinische Untersuchung
Erste Symptome sind plötzliche Schmerzen in den betroffenen Gelenkbereichen, bei
Belastung (z.B. Treppensteigen) wie auch in Ruhe, typischerweise nachts. Im
späteren Verlauf zeigen sich Bewegungseinschränkungen.
Bildgebende Untersuchungsmethoden
Die Anfertigung eines Röntgenbildes steht häufig an erster Stelle, jedoch lassen
sich so nur späte Erkrankungsstadien darstellen. Wichtig ist diese Untersuchung
aber, um andere Erkrankungen, die zu ähnlichen Symptomen führen, auszuschließen.
Insbesondere die Magnetresonanztomographie (MRT) ist heute als die wegweisende Untersuchung anzusehen und sollte bei
Erkrankungsverdacht möglichst frühzeitig durchgeführt werden. Durch diese
Untersuchung können sowohl frühe Erkrankungsstadien erkannt, als auch der
Verlauf kontrolliert werden.
Morbus Ahlbäck
Stadien/Therapie
Stadieneinteilung
Die Erkrankung wird in Stadien nach ARCO eingeteilt:
Im Stadium 1 zeigen sich nur in
der MRT leichte Veränderungen im Sinne eines sog. Knochenmarködems.
Stadium 2 weist ein ausgeprägteres
Bild in der MRT auf – mit Knochenmarksödem und Sklerosezonen sowie auch im
Röntgenbild Verdichtungsbereiche.
Im Stadium 3 stellen sich Zeichen
von Knochenauflösung und subchondrale Frakturen dar.
Im Stadium 4 sind deutliche
Knorpel-Knochenveränderungen bei allen Untersuchungsmethoden erkennbar.
Therapie
Die Stadieneinteilung beeinflusst die jeweils notwendige Therapie.
Im Stadium 1 wird zunächst das
betroffene Gelenk entlastet. Dies kann z.B. durch eine Schuhranderhöhung oder
einen entsprechenden Gehapparat erfolgen. Engmaschige ärztliche Kontrollen
sollten den Verlauf begleiten.
Im Stadium 2 reicht die Entlastung
nicht mehr aus. Hier kann die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) in vielen
Fällen erfolgreich eingesetzt werden. Die erhöhte Sauerstoffkonzentration im
Gewebe führt zu einer Ödemverminderung und Gefäßneubildung. Knochenab- und
aufbauende Zellen (Osteoklasten und Osteoblasten) werden aktiviert und können
die zerstörten Bereiche wieder aufbauen. Die HBO kann mit Physiotherapie
kombiniert werden.
Im Stadium 3 ist es bereits zu
leichten Knorpel-Knochenzerstörungen gekommen und zum Teil sind operative
Maßnahmen nötig. Die hyperbare Sauerstofftherapie kann aber als zusätzliche
Maßnahme den Therapieerfolg verbessern, indem sie die Gefäßneubildung
unterstützt und die Knochenneubildung stimuliert. Als alleinige Therapie bewirkt
sie noch bei etwa 60% der behandelten Patienten eine vollständige Ausheilung. In
den restlichen Fällen können durch operative Verfahren (Anbohrung und
Umstellungsoperationen) die Gelenkflächen erhalten werden.
Symptomatisch sollte in allen drei Stadien auch eine Schmerzbehandlung mittels
entzündungshemmender Schmerzmedikamente (Antiphlogistika) durchgeführt werden.
Im Stadium 4 können nur noch
Knochentransplantationen, ein Gelenk- oder Teilgelenksersatz zur
Wiederherstellung der Gehfähigkeit führen.
Informationen und Ratschläge
Mit Kniebeschwerden zum Arzt
Wenn Kniebeschwerden 4–6 Wochen andauern, oder von Ruheschmerz, zum Beispiel
nachts, begleitet sind, sollte der Arzt oder ein Facharzt für Orthopädie
aufgesucht werden. Dieser wird die Frage eines sich möglicherweise entwickelnden
Morbus Ahlbäck rechtzeitig klären.
Zusammenarbeit im Team
Das Wesen der hyperbaren Sauerstofftherapie ist ein „Hand-in-Hand-Arbeiten“ von
Ärzten und Patient. Zusammen mit Ihrem Hausarzt erarbeitet der HBO-Arzt ein auf
Ihre Beschwerden abgestimmtes Behandlungsprogramm.

Wie wirkt die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)?
In der Folge einer gestörten Durchblutung sind bei den aseptischen Knochennekrosen folgende therapeutische Effekte zu erwarten:
-
Ein bestehendes Knochenödem wird durch den vasokonstriktorischen Effekt (Gefäßengstellung) vermindert.
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Neue Blutgefäße werden gebildet.
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Bindegewebsbildende Zellen werden aktiviert und Bindegewebsfasern vermehrt gebildet.
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Die Stimulation der Knochen ab- und aufbauenden Zellen führt zu einer Knochenregeneration


